Nicole Grochowina: Die Frühneuzeit in Ostfriesland – epochaler Aufbruch zur "unsichtbaren Religion?"

Schon die Überschrift verrät das Unbehagen, von einer "Epoche" der "unsichtbaren Religion" oder gar der Frühneuzeit als "Epoche" der "unsichtbaren Religion" zu sprechen. Dennoch ist zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein Wandel im Umgang mit Religion zu beobachten, Indifferenz und Dissidententum setzten sich deutlich von den sich nur mühsam etablierenden Konfessionen ab, der "Markt" von Sinndeutungen wurde größer und öffentlicher, Konfession und Politik festigten ihr ohnehin enges Verhältnis und entfremdeten damit religiöse Sinnsysteme von den Menschen in den Gemeinden.

Aber reichten diese Veränderungen aus, um vom Beginn einer neuen "Epoche" zu sprechen? Welche Kriterien rechtfertigen diese Zuschreibung? Dieses sind die zentralen Fragen des Vortrags. Jedoch ist auch – wenn man sich allein auf die Entwicklung von Religion beschränkt – restriktiv zu fragen, ob es sich bei den Entwicklungen im Ostfriesland der Frühneuzeit nur um einen Aufbruch handelte, mit dem eine "Epoche" begann, deren Ende jedoch gegenwärtig noch nicht abzusehen ist. Damit würde sich der "Epochenbegriff" allerdings über mehr als 400 Jahre erstrecken und stünde im Verdacht, obsolet zu sein.

Um diese Fragen zu beantworten, müssen drei Schritte vollzogen werden:

  1. ist der Begriff der "Epoche" aus historiographischer Sicht zu problematisieren. Wie tragfähig ist die Bezeichnung als "Epoche" über den pragmatischen Wert der chronologischen Gliederung hinaus? Welche Probleme ergeben sich durch einen "Epochenbegriff" insbesondere für die Historiographie?
  2. ist das theoretische Konzept der "unsichtbaren Religion" zu klären, mit dem Thomas Luckmann bereits 1967 die Privatisierung von Religion bezeichnete. Diese Debatte ist in den 1990er Jahren erneut aufgelebt, da sich die Religionssoziologie verstärkt mit der Frage auseinandersetzte, ob Religiosität notwendigerweise zum Mensch-Sein gehört.
  3. muß dieses Theorem in der Praxis Anwendung finden, um die Genese und Formen der "unsichtbaren Religion" festzumachen. Hierbei dient die Grafschaft Ostfriesland als Beispiel, die jedoch keinesfalls als einzige Illustrationsmöglichkeit verstanden werden darf. Insbesondere ist in diesem Punkt basierend auf zeitgenössischen Reflexionen die Frage nach dem Bewußtsein von der "unsichtbaren Religion" zu stellen.

zurück

Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert.